Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Alfred Ledermann



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 26.08.1921
Geburtsort: Langenberg | Mettmann
Ermordet am: 12.07.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Alfred Ledermann wurde am 26. August 1921 in Langenberg bei Düsseldorf geboren und evangelisch getauft.1 Der Ledige wohnte später in Duisburg im Ruhrgebiet und war von Beruf Hilfsarbeiter.

Ein Gericht verurteilte den 18-Jährigen, der damals rechtlich noch ein Jugendlicher war, wegen "widernatürlicher Unzucht" in elf Fällen zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Im Februar 1940 sollte er seinen Arbeitsdienst am "Westwall" leisten, trat diesen aber offenbar nicht an. Deswegen wurden am 3. April 1940 drei Monate Haft wegen "Verletzung der Arbeitspflicht" angeordnet. Am 2. Dezember 1940 vermerkte die Polizei über ihn eine "Mitteilung über Berufs- und Gewohnheitsverbrecher, die sich der polizeilichen Überwachung entziehen."

Ein Landgericht, wohl in Duisburg, verurteilte den Jugendlichen am 22. April 1941 wegen Strichjungentätigkeit nach §175a, Ziffer 4, zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Die Strafe verbüßte er im Gefängnis Opladen.

Nach voll verbüßter Strafe entließ der Justizvollzug ihn nicht mehr in die Freiheit, sondern lieferte ihn am 10. Februar 1942 der Polizei aus, die ihn auf Befehl der Kriminalpolizeistelle Essen als Homosexuellen und als "Asozialen" in polizeiliche "Vorbeugungshaft" nahm. Er dürfte dann bald in das KZ Sachsenhausen transportiert worden sein, wo er die Häftlingsnummer 41.509 erhielt.

Der Zeitpunkt seines Zugangs im KZ Sachsenhausen war denkbar ungünstig. Im Außenlager Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen wurden zwischen Juli und September 1942 gezielt etwa 180 bis 200 homosexuelle Häftlinge umgebracht.

"Wie glaubwürdig ist es, daß der 20-jährige Alfred Ledermann am 12. Juli 1942 um 6:45 Uhr einer Herz- und Kreislaufschwäche erlegen ist?"3 Er wurde 20 Jahre alt, volljährig wurde man derzeit erst mit 21 Jahren.

2002 hob der Deutsche Bundestag pauschal die NS-Verurteilungen nach §175a, Ziffer 4, also Strichjungentätigkeit, und nach §175 StGB in der NS-Fassung von 1935 auf.4 Rückblickend war er also zu Unrecht in Haft gewesen.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (März 2018). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen.
Dagmar Lieske, Unbequeme Opfer? "Berufsverbrecher" als Häftlinge im KZ Sachsenhausen, Berlin 2016, S. 159-160.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
2 Vgl. Müller, Joachim, Unnatürliche Todesfälle, in: Müller, Joachim, Sternweiler, Andreas, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 216-263.
   Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.
3 Ebenda, S. 258 ff.
4 Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege vom 23.07.2002, in Kraft getreten am 27.07.2002.