Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

August Ludwig Niemann

Stolperstein August Niemann Geboren am: 24.10.1897
Geburtsort: Flensburg
Ermordet am: 02.03.1943
Verlegeort: ⟩ 24943 Flensburg, Sankt-Jürgen-Platz 8
Initiator: Unbekannt.
Zum Lebensweg: August Ludwig Niemann wurde am 24. Oktober 1897 in Flensburg geboren und evangelisch getauft.1 Er wohnte zunächst in der Burgstraße und zog 1915 mit der Mutter, die mittlerweile Witwe war, in die Bremer Str. 8, die heute St. Jürgensplatz heißt. Auch 1920 meldete er sich dort aus Kiel kommend in Flensburg zurück. In Kiel hatte er vielleicht die Verwaltungsschule des Schleswig-Holsteinischen Städtevereins besucht, denn im Hausbuch wurde er nun als "Stadtinspektor" eingetragen. Dieser Eintrag ist vermutlich falsch, denn andere Quellen bezeichnen ihn als "Stadtsekretär". Gemeldet blieb er unter dieser Anschrift bis zum Tod. Im Adreßbuch ist er mindestens bis 1939 verzeichnet, da war er schon 41 Jahre alt, ledig, und wohnte immer noch bei seiner Mutter.

Vielleicht wurde er nun wegen homosexueller Handlungen verurteilt und verbüßte eine Haftstrafe. Etwa im September oder Oktober 1941 transportierte man ihn in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo ihn die SS als "§175-Berufsverbrecher" einstufte und er die Häftlingsnummer 39.735 erhielt. August Niemann verstarb am 2. März 1943 um 5.45 Uhr 45-jährig angeblich an einer rechtsseitigen Lungenentzündung und einer linksseitigen Brustfellentzündung. Die wahren Ursachen waren aber wohl die Strapazen der jahrelangen Haft und Zwangsarbeit und die chronische Unterversorgung im KZ Sachsenhausen.

Zur Mahnung vor dem Unrecht, zur Erinnerung und zu seinem Andenken setzte man ihm 2007 vor seinem früheren Wohnort in Flensburg, St. Jürgensplatz 8, einen Stolperstein.2
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (März 2018). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen. Ich danke Prof. Rüdiger Lautmann, Berlin, für zusätzliche Informationen. Hausbuch im Stadtarchiv Flensburg.
Foto Stolperstein: James Steakley
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
2 Liste der ⟩ Stolpersteine in Flensburg