Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Carl August Bruns

Stolperstein Carl Bruns Geboren am: 10.02.1885
Geburtsort: Hollerdeich, Kr. Kehdingen
Ermordet am: 21.04.1945
Verlegeort: ⟩ 22087 Hamburg-Uhlenhorst, Papenhuder Straße 32
Initiator: keine Angaben!
Zum Lebensweg: Carl August Bruns wurde am 10. Februar 1885 in Hollerdeich/Kreis Kehdingen (heute Oederquart/ Kreis Stade) geboren. ... Am Ersten Weltkrieg nahm Carl Bruns von 1915 bis 1918 teil, zuletzt als Kanonier im Fußartillerie-Regiment 45 Hamburg-Altona. Für seine Verdienste erhielt er das "EK II, Verwundeten- und Frontkämpferehrenzeichen".

Im Polizeiverhör 1942 sagte Carl Bruns: "Meine homosexuelle Veranlagung hat sich erst während des Weltkrieges richtig entwickelt Nach meiner Militärzeit habe ich mich nicht wieder Frauen genähert." Ob er seinen späteren Geschäfts- und Lebenspartner Otto Schildt, Jahrgang 1882, im Krieg kennengelernt hatte, ist nicht überliefert. 1919 wurden die beiden Geschäftsführer und ab 1927 Inhaber des Tuchlagers Welzien & Co. am Graskeller 3, dann am Neuen Wall 103. Beide Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört.

... 1929 lernte Carl Bruns den Fotografen Heinrich Roth, Jahrgang 1907, in dem ein-schlägigen Lokal "Goldene 13" in der Koppel in St. Georg kennen. Beide hatten über mehrere Jahre ein Verhältnis miteinander. Fotos belegen, dass Heinrich Roth sich offenbar auch mit Bruns' Lebenspartner Otto Schildt gut verstand. Am 1. April 1933 zogen Otto Schildt, Carl Bruns und dessen Mutter in eine 8-Zimmer-Wohnung in die zweite Etage des Wohnhauses Papenhuder Straße 32.

1936 wurde Carl Bruns wegen seiner Beziehung zu Heinrich Roth nach §175 RStGB zu vier Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Heinrich Roth erhielt acht Monate Gefängnis. Am 27. März 1942 geriet Carl Bruns erneut in die Fänge der Kriminalpolizei: Ein ehemaliger Sexualpartner hatte seinen Namen im Verhör genannt. Noch am selben Tag nahmen Beamte des Kriminalkommissariats 24 Carl Bruns fest. Er bestritt die Anschuldigungen, gab aber einen Sexualkontakt mit einem Unbekannten im Sommer des Jahres 1941 zu. Vom 4. bis zum 13. April 1942 befand sich Carl Bruns als polizeilicher "Schutzhäftling" im KZ Fuhlsbüttel. Seinen Partner Otto Schildt konnte er aus den Ermittlungen heraushalten.
Am 6. Juli 1942 fand der Prozess vor dem Amtsgericht Hamburg statt. Amtsgerichtsrat Friedrich Bertram verhängte eine einjährige Gefängnisstrafe wegen Vergehens nach §175 RStGB, die Carl Bruns im Männergefängnis Fuhlsbüttel und im Gefängnis Altona verbüßte. Nach seiner Entlassung am 9. März 1943 war sein Leidensweg noch nicht zu Ende: Er wurde der Hamburger Polizei überstellt und in "Vorbeugehaft" genommen. Im April 1943 folgte seine Verbringung ins KZ Sachsenhausen.

Ende April 1945 kam er auf dem Todesmarsch Richtung Parchim ums Leben.

Ausführlicher:
Wir erinnern an Carl August Bruns (pdf)

und in der in Biographie Carl Bruns von Wolfgang Schreiber.
Bild: Wolfgang Schreiber (Amsterdam) und Stolpersteine in Hamburg