Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Eduard Mildenberg



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 31.08.1892
Geburtsort: Köln
Ermordet am: 27.07.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Eduard Mildenberg wurde am 31. August 1892 in Köln geboren und evangelisch getauft.1 Der Ledige wohnte später in Köln in der Schillingstraße 14 und war von Beruf Hotelangestellter und Hilfsarbeiter.

Am 1. April 1941 verurteilte ihn das Landgericht Köln wegen "widernatürlicher Unzucht" unter Anrechnung von 45 Tagen, 17 Stunden und 45 Minuten Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für drei Jahre. Vorstrafen waren nicht angegeben.

Zur Strafverbüßung überführte man ihn am 11. April 1941 vom Gefängnis Köln in das Zuchthaus Siegburg bei Bonn. Hier beschrieb man ihn wie folgt: 1,62 m groß, kräftige Gestalt, rasiert, braune Augen und blondes Haar. Auf seiner Karteikarte vermerkte man: "nicht entlassen, in das Pol. Gefgs. Köln überführen." Nach voll verbüßter Strafe überführte man ihn am 8. Mai 1942 in das Polizeigefängnis Köln.

Etwa im Ende Juni, Anfang Juli, transportierte man ihn in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo die SS ihn als Homosexuellen einstufte und er die Häftlingsnummer 44.637 erhielt. Der Zeitpunkt seines Zugangs im KZ Sachsenhausen war denkbar ungünstig. Im Außenlager Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen wurden zwischen Juli und September 1942 gezielt etwa 180 bis 200 homosexuelle Häftlinge umgebracht.2 Eduard Mildenberg wurde am 24. Juli 1942 im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen von der SS ermordet. Er wurde 49 Jahre alt. Zu seinem Tod gab die SS an, er sei um 14.00 Uhr durch einen Herzschuss bei einem angeblichen Fluchtversuch verstorben.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (Dezember 2017). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ich danke dem Historiker Christian-Alexander Wäldner, Weetzen, für diese zusätzlichen Informationen.
Fussnoten:
1  KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
   Gefangenenkarteikarten des Zuchthauses Siegburg vom Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen.
2 Joachim Müller, »Unnatürliche Todesfälle«, in: Joachim Müller, Andreas Sternweiler, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 216 ff.
   ⟩ Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.