Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Eberhard Steinke



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 20.06.1895
Geburtsort: Bernau b. Berlin
Ermordet am: Unbekannt
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Eberhard Steinke wurde am 20. Juni 1895 in Bernau in der Mark bei Berlin geboren und evangelisch getauft. Der Ledige wohnte später in Berlin und war von Beruf zunächst Angestellter und wahrscheinlich später Gelegenheitsarbeiter.

Vom 22. bis 24. November 1938 befand er sich im Polizeigefängnis Berlin und danach vermutlich in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft verklagte ihn nach §175a, Ziffer 3, und wegen pädophiler Handlungen nach §176. Das Landgericht 20 in Berlin entschied sich in der Hauptverhandlung am 2. Mai 1939 aber für einen Freispruch mangels Beweises, da Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen entstanden. Man entließ ihn am gleichen Tag aus der Haft.

Im Zweiten Weltkrieg zog man ihn zur Wehrmacht ein und auch dort verurteilte man ihn. Als "Kriegstäter" transportiert man ehemalige Soldaten in der Kategorie "Zwischenhaft" in die KZ, wo sie kriegswirtschaftlich wertvolle Arbeit leisten sollten. Ihn transportierte man am 11. November 1944 in das  ⟩ KZ Buchenwald in Thüringen, wo er als "Homo" und als "Zwischenhäftling" die Häftlingsnummer 39.602 erhielt.

Am 20. November 1944 überführte man ihn in das  ⟩  KZ Mittelbau-Dora in Thüringen, wo er die Häftlingsnummer 104.020 erhielt und am 2. Dezember 1944 zur Zwangsarbeit in der Hugo Schneider- Aktiengesellschaft (HASAG) in Leipzig, dem größten Rüstungskonzerns in Sachsen. Bereits am 27. Dezember 1944 verlegte man ihn wieder zurück.

Er wurde dann in Unterlagen des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen erwähnt: "Liste d. am 1.3.1945 bei d. 1. SS-Baubrigade (Sollstedt) einsitzenden Zwischen-Häftlinge (Kdo d. KL-Sachsenhausen)". Dazu vermerkte man außerdem: "Verstorben in der Liste gestrichen". Eberhard Steinke wurde also wohl 49 Jahre alt.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (Dezember 2017).
Ich danke Prof. Rüdiger Lautmann, Berlin, der im Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen forschte, für Informationen. Karteikarten im Hauptregister des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Ich danke Andreas Pretzel, Berlin, für die Informationen aus dem Landesarchiv Berlin.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.