Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & Ravenbrück - Männerlager

Elimar Wilhelm Adolf Wagner

Elmar Wagner Geboren am: 10.12.1884
Geburtsort: Heppens | Wilhelmshaven
Ermordet am: 10.07.1942
Verlegeort: ⟩ 20355 Hamburg-Mitte, Neustädter Straße (Pik AS)
Initiator: Keine Angabe
Zum Lebensweg: Elimar Wilhelm Adolf Wagner wurde am 10. Dezember 1884 in Heppens, heute ein Stadtteil von Wilhelmshaven in Niedersachsen, geboren und evangelisch getauft.1 Der Ledige wohnte später in Hamburg und war von Beruf Seemann, Matrose und Schiffsheizer.

Aus Emden und Hamburg hatte er Vorstrafen wegen Eigentumsdelikten. Am 15. August 1935 nahm man ihn in Hamburg wegen "widernatürlicher Unzucht" in Untersuchungshaft und im Juli 1935 verurteilte ihn das Amtsgericht Hamburg deshalb nach §175 unter Anrechnung von 63 Tagen und 18 Stunden Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. Einen Strafrest verbüßte er vom 9. November bis zum 7. Dezember 1935. In der Haft beschrieb man ihn wie folgt: 1,68 m groß, schlanke Gestalt, braune Augen und graues Haar.

Nach einer Denunziation durch einen Messejungen nahm man ihn am 19. Mai 1936 wegen tätlicher Beleidigung mit homosexuellen Hintergrund erneut in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Hamburg verurteilte ihn deshalb am 6. Juli 1936 nach §185 RStGB zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen, die er bis zum 20. Juli 1936 verbüßte.

Vom 17. Oktober bis zum 10. Dezember 1936 befand er sich in Schutzhaft im KZ Hamburg-Fuhlsbüttel und danach in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Hamburg verurteilte ihn im März 1937 nach §175 zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Die Strafe verbüßte er bis zum 20. März 1937, und er wurde dann aber der Gestapo Hamburg zugeführt, die ihn bis zum 29. April 1937 im Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel in "Schutzhaft" behielt.

Am 9. März 1939 nahm man ihn für fünf Tage wegen "widernatürlicher Unzucht" in Untersuchungshaft, entließ ihn dann aber ohne Prozess. Im Juni wurde er wegen homosexueller Handlungen angezeigt und vom 17. bis zum 22. Juni 1939 befand er sich erneut in Schutzhaft im Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel und danach in Untersuchungshaft.

Am 14. Juli nahm die Polizei ihn in "Vorbeugungshaft" und transportierte ihn in das KZ Sachsenhausen. Am 14. Juni 1940 verurteilte ihn das Landgericht Hamburg offenbar in Abwesenheit nach §175 unter Anrechnung von 26 Tagen, 21 Stunden und 40 Minuten Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Zur Strafverbüßung überführte man ihn am 15. Juli 1940 in das Männergefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel. Nach der Strafverbüßung lieferte der Justizvollzug ihn am 24. November 1941 der Polizeibehörde Hamburg aus, die ihn auf Veranlassung des Reichskriminalpolizeiamts erneut in "polizeiliche Vorbeugungshaft" nahm und wiederum in das KZ Sachsenhausen transportierte. Offenbar ging er dem KZ Sachsenhausen insgesamt dreimal zu, denn er erhielt die drei Häftlingsnummern 1.044, 490 und 6.813.

Der Zeitpunkt seines Zugangs im KZ Sachsenhausen war denkbar ungünstig. Im Außenlager Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen wurden zwischen Juli und September 1942 gezielt etwa 180 bis 200 homosexuelle Häftlinge umgebracht.2

Elimar Wagner wurde am 10. Juli 1942 im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen von der SS ermordet. Er wurde 57 Jahre alt. Offiziell gab die SS beim Standesamt Oranienburg an, er sei um 20.00 Uhr an einem Herzkollaps verstorben.

Zur Mahnung vor dem Unrecht, zur Erinnerung und zu seinem Andenken setzte man ihm vor der früheren Obdachlosenunterkunft "Pik As" in der Neustädter Straße Nr. 31 in Hamburg-Neustadt einen Stolperstein. Auf dem Stolperstein wurde vermutlich ein falscher Vorname "Elmar" angegeben.3
Autor: Rainer Hoffschildt (Hannover, 2018). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen.
Ich danke Ulf Bollmann, Staatsarchiv Hamburg, für zusätzliche Informationen.
Foto: © „Hinnerk11/Wikipedia“ ⟩ Stolpersteine in Hamburg www.stolpersteine-hamburg.de

Fußnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
   In »1470 KZ-Geheimnisse«, Emil Büge, Metropol Verlag, Berlin 2010,S. 154.
2 Vgl. Müller, Joachim, Unnatürliche Todesfälle, in: Müller, Joachim, Sternweiler, Andreas, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 216-263.
   Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.
3 Bernhard Rosenkranz, Ulf Bollmann, Gottfried Lorenz, Homosexuellenverfolgung in Hamburg 1919-1969, Hamburg 2009, S. 264 und 274.