Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Fritz Böhmdorfer



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 12.05.1910
Geburtsort: Völpke | b. Eilsleben
Ermordet am: Unbekannt
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Fritz Böhmdorfer wurde am 12. Mai 1910 in Völpke bei Eilsleben geboren.1 Der Ledige war später von Beruf Melker.

Er war viermal wegen Diebstahls und einmal wegen Unterschlagung bestraft worden. Im Juni 1937 ging er dem KZ Sachsenhausen bei Berlin zu, wo die SS ihn als "arbeitsscheu" und als "Asozialen" einstufte. am 23. Juni 1938 überführte man ihn nochmals in das KZ Sachsenhausen. Er geriet in den Verdacht, gegen §175 verstoßen zu haben.

Am 20. Oktober 1939 nahm man ihn zunächst im Gefängnis Berlin-Moabit und vier Tage später im Gefängnis Berlin-Lehrter Straße in Untersuchungshaft. Das Landgericht 9 in Berlin verurteilte ihn am 22. November 1940 nach §175 zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten, die aber durch die Untersuchungshaft als verbüßt galten. Deshalb hob das Gericht den Haftbefehl auf und der Justizvollzug "entließ" ihn am 28. November 1940 zur Polizei. Sein Partner war möglicherweise Siegfried Haase, der am gleichen Tag aus dem KZ Sachsenhausen kommend in denselben Haftanstalten in Untersuchungshaft genommen und am gleichen Tag von demselben Gericht verurteilt worden war.

Die Polizei dürfte Böhmdorfer nun wieder in das KZ Sachsenhausen zurückgeführt haben. Am 21. Mai 1941 transportierte man ihn in das ⟩ KZ Natzweiler im Elsass im besetzten Teil Frankreichs, wo er die Häftlingsnummer 10 erhielt. Natzweiler war erst am 1. Mai 1941 zum eigenständigen KZ erklärt worden. Er gehörte zum ersten Transport von 150 Personen von Sachsenhausen nach Natzweiler, mit dem auch 21 §175-Opfer überführt wurden, also 14% der Häftlinge des Transports; offenbar wurden Homosexuelle in Sachsenhausen bevorzugt abgeschoben. In Natzweiler stufte die SS ihn aber als "Asozialen" ein. Auch im Dezember 1942 befand er sich noch in Natzweiler und wurde dann aber am 10. Juni 1943 nach Sachsenhausen zurück überstellt, wo er nun die Häftlingsnummer 67.852 erhielt.

Sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Es ist aber zu befürchten, dass er in den Wirren der KZ-Auflösung möglicherweise umgekommen ist, als die sonst üblichen Todesmeldungen nicht mehr vorgenommen wurden, denn im September 2009 fehlte immer noch der Todeseintrag im Geburtenbuch des Standesamtes seines Geburtsortes.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (Dezember 2017).Ich danke Andreas Pretzel, Berlin, für die Informationen aus dem Landesarchiv Berlin.
Ich danke dem Historiker Christian-Alexander Wäldner, Weetzen, für zusätzliche Informationen vom Standesamt Obere Aller-Bördekreis.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
  Karteikarten im Hauptregister des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen.