Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Fritz Paul Bräuer



Häftlingsnummer 1101
KZ Ravensbrück | Männerlager
Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 03.10.1903
Geburtsort: ⟩  Saarau | Schweidnitz (Schlesien)
Ermordet am: 29.06.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Fritz Paul Bräuer wurde am 3. Oktober 1903 in Saarau bei Schweidnitz in Schlesien (heute Polen) geboren und evangelisch getauft. Er blieb ledig, wohnte später in ⟩  Berlin-Neukölln, Pflügerstraße 8 und arbeitete als angestellter Buchhalter.

Die Polizei Berlin verhaftete den 35-Jährigen am 20. Juni 1939. Am 1. November 1939 verurteilte ihn das Landgericht Berlin angeblich nach §175 zu zwei Jahren Zuchthaushaft und zu drei Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Vermutlich wurde er aber nach §175a verurteilt, da dieser eine Zuchthausstrafe vorsah und nicht §175. Er hatte bereits einschlägige Vorstrafen, war also Rückfalltäter.

Zur Strafverbüßung transportierte man ihn zunächst in das Zuchthaus Brandenburg-Görden und von dort am 15. Januar 1940 zur Schwerstarbeit im Moor in das Strafgefangenenlager Aschendorfer Moor im Emsland.

Weiter ging es am 25. August 1940 in das Zuchthaus Bremen-Oslebshausen. Dort vermerkte man, dass er nach der Strafverbüßung dem Polizeigefängnis Berlin zuzuführen sei. Zum Ende seiner Strafe entließ der Justizvollzug ihn am 3. Oktober 1941 nicht in die Freiheit, sondern lieferte ihn der Polizei aus, die ihn nach Berlin überstellte.

Am 22. Januar 1942 transportierte die Polizei ihn auf Befehl der Kriminalpolizei Berlin in das KZ Buchenwald bei Weimar in Thüringen, wo man ihn als §175-Häftling einstufte und er die Häftlingsnummer 5.339 erhielt.
Karteikarte


Bild: 🔎 Effektenkarte KZ Buchenwald; Haftgrund § 175; Anschrift der Mutter.
Dort dürfte er wie fast alle Homosexuellen zunächst in die Strafkompanie gekommen sein, in der die SS die Häftlinge mit schwerster Arbeit belastete. Bereits am 13. März 1942 ging es weiter in das Männerlager des KZ Ravensbrück, wo er die Häftlingsnummer 1.101 erhielt und ebenfalls als Homosexueller eingestuft wurde.

Fritz Bräuer wurde am 29. Juni 1942 im KZ Ravensbrück im Alter von 38 Jahren ermordet.
Autor: Rainer Hoffschildt (Hannover); Lothar Dönitz (Berlin, 2020).
Quellen:
Karteikarten im ⟩  Aroslen Archives International Center on Nazi Persecution (ehem. Internationaler Suchdienst Arolsen.)