Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Franz Grüger



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 15.08.1898
Geburtsort: Walddorf | b. Rückers, Niederschlesien
Ermordet am: 11.10.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Franz Grüger wurde am 15. August 1898 in Walddorf bei Rückers in Niederschlesien, heute Polen, geboren.1 Er lebte später in Berlin und war von Beruf Vogelhändler. In den 1920er Jahren war er ein Aktivist der Homosexuellenbewegung und eine Zeitlang auch im Vorstand der des "Bundes für Menschenrecht". Offenbar war er dann unzufrieden mit dem Bund und vermutlich mit dem machtbewussten ersten Vorsitzenden Friedrich Radszuweit. 1925 trat er aus und gründete dann einen Konkurrenzverein, den "Geselligkeits-Verein Freundschaft", als dessen Leiter er sich bezeichnete. Der traf sich jeden Samstag um 20:00 Uhr zu geselligem Beisammensein mit Tanz im "Sängerheim" in der Weddingstraße 9 in Berlin, so eine Anzeige in der Zeitschrift für Homosexuelle "Die Fanfare" vom Juli 1925. Immerhin bis 1931 lassen sich Belege für seine Aktivitäten finden.

Sieben Verfahren nach §175 lassen sich nachweisen, von denen einige aber auch eingestellt wurden, bzw. dessen Ausgang nicht bekannt ist. Mitte März und Ende Mai 1935 befand er sich offenbar im ⟩ KZ Lichtenburg in Prettin. Am 5. Juni 1935 verurteilte ihn ein Gericht in Berlin nach §175 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Ein Rest der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Am 23. Mai 1938 verhafte die Polizei ihn erneut und er kam in das Polizeigefängnis Berlin und zwei Tage später in Untersuchungshaft in Berlin-Moabit. Das Amtsgericht Berlin verurteilte ihn nochmals zu einem Jahr Gefängnishaft. Aus der Haft entließ man ihn am 2. Juli 1939. Im Mai und Dezember 1940 kam es zu weiteren Verfahren gegen ihn, deren Ausgang nicht bekannt ist. Es ist aber zu vermuten, dass er erneut verurteilt wurde.

Etwa im Juli 1941 transportierte ihn die Polizei in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo die SS ihn als §175-"Berufsverbrecher" einstufte, ihn in Block 14 unterbrachte und er die Häftlingsnummer 38.392 erhielt. Am 6. November 1941 musste er in das Häftlingskrankenrevier. Homosexuelle wurden in der Regel nicht systematisch vergast, aber kranke und nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge und dazu dürfte er später gehört haben. Man wählte ihn aus für einen Vernichtungstransport in die ⟩  Vernichtungsanstalt Bernburg an der Saale ging. Dort vergaste man Franz Grüger vermutlich am 11. Oktober 1942 im Alter von 44 Jahren.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (Dezember 2017). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen. Andreas Sternweiler, Der Händler Franz Grüger, in: Joachim Müller, Andreas Sternweiler, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 161-163. Dort ist auch die Anzeige in "Die Fanfare" abgebildet.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.