Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Friedrich Wilhelm Nagel



Kein Stolperstein vorhanden, hier nur der Leidensweg.
Geboren am: 29.11.1874
Geburtsort: Steinfeldt | Stendal
Ermordet am: 02.07.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Friedrich Wilhelm Karl Nagel wurde am 29. November 1874 in Steinfeldt bei Stendal in der Altmark im heutigen Sachsen-Anhalt geboren und katholisch getauft.1 Der Ledige wohnte später in Berlin-Schöneberg in der Belziger Straße 37 und war von Beruf Postsekretär, dem aber nachher das "außer Diensten" zugefügt werden musste.

Vom 15. bis zum 18. Juli 1938 befand sich der 63-Jährige im Polizeigefängnis Berlin und danach in Untersuchungshaft in Berlin-Moabit. Das Amtsgericht 603 in Berlin verurteilte ihn am 27. August 1938 nach §175a, Ziffer 3, unter Anrechnung der Untersuchungshaft zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Er ging in Berufung und das Landgericht 3 in Berlin reduzierte seine Haftstrafe im Dezember 1938 auf ein Jahr. Die Strafe verbüßte er ab Anfang Januar 1939 im Strafgefängnis Berlin-Tegel. Nach verbüßter Strafe nahm ihn der Justizvollzug am 16. Juli 1939 in "Überhaft", entließ ihn also nicht in die Freiheit. Was nun weiter geschah, ist nicht bekannt. Möglicherweise wurde er nochmals verurteilt.

Bekannt ist wieder, dass die Polizei ihn etwa im Mai 1942 in das KZ Sachsenhausen transportierte, wo die SS ihn als Homosexuellen einstufte und er die Häftlingsnummer 42.288 erhielt. Der Zeitpunkt seines Zugangs im KZ Sachsenhausen war denkbar ungünstig. Im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen wurden zwischen Juli und September 1942 gezielt etwa 180 bis 200 homosexuelle Häftlinge umgebracht.2 Friedrich Nagel wurde am 2. Juli 1942 im Klinkerwerk3 des KZ Sachsenhausen von der SS ermordet. Er wurde 67 Jahre alt. Offiziell soll er an Herz- und Kreislauschwäche beim Grundleiden Ruhr verstorben sein.
Autor: Rainer Hoffschildt (Hannover). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ich danke Andreas Sternweiler, Berlin, für Informationen. Ich danke Andreas Pretzel, Berlin, für die Informationen aus dem Landesarchiv Berlin.
Fußnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
   Sterbezweitbuch, Standesamt Oranienburg, Nr. 1800/1942 (VI), Bl. 426
2 Vgl. Müller, Joachim, Unnatürliche Todesfälle, in: Müller, Joachim, Sternweiler, Andreas, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 216-263.
   Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.