Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Friedrich o. Fritz Schmidt



Häftlingsnummer 9488
KZ Ravensbrück | Männerlager
Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 02.02.1901
Geburtsort: Nürnberg
Ermordet am: Ungekärt
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Friedrich oder Fritz Schmidt wurde am 2. Februar 1901 in Nürnberg in Franken geboren. Er arbeitete später als kaufmännischer Angestellter. 1940 heiratete er, die kinderlose Ehe wurde aber vermutlich geschieden, da er später als ledig eingestuft wurde.

Er hatte zwei Bestrafungen hinter sich, davon war mindestens eine nach §175. Am 6. Mai 1943 transportierte man ihn vermutlich nach einer Strafhaft in das Polizeigefängnis Nürnberg und am 9. Juni 1943 auf Befehl der Kriminalpolizei Nürnberg in das ⟩  KZ Natzweiler auf heutigem französischem Boden und liegt im damals besetzten Elsass, wo die SS ihn als §175-Häftling einstufte und ihn zur Nummer 4.035 machte.

Zwar gibt es einen Hinweis darauf, dass er zum gleichen Datum dem ⟩  KZ Neuengamme zugegangen sein soll, dies trifft aber nicht zu. Von Natzweiler überführte man ihn am 7. August 1943 in das KZ Sachsenhausen, wo er die Häftlingsnummer 69.764 erhielt und als Hilfsarbeiter eingesetzt wurde.

Von Sachsenhausen verlegte man ihn am 29. Juli 1944 in das Männerlager des KZ Ravensbrück, wo er ebenfalls als §175-Häftling eingestuft wurde und die Häftlingsnummer 9.488 erhielt.

Dass er noch etwa im Herbst 1944 im KZ Ravensbrück lebte und als Hilfsarbeiter eingesetzt wurde, belegt eine Karteikarte, die für das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt in Berlin erstellt wurde. Dieses wollte mit IBM-Computern den Arbeitseinsatz der KZ-Häftlinge optimieren.1

Er kam nicht zurück und galt in der Nachkriegszeit offiziell als verschollen. Das Amtsgericht Nürnberg hat ihn am 24. August 1954 zum 31. Dezember 1945 für tot erklärt. Vermutlich wurde Friedrich Schmidt im Frühjahr 1945 im Alter von 44 Jahren im KZ Ravensbrück ermordet.
Autoren:
Rainer Hoffschildt (Hannover), ich danke Mathias Strohbach für zusätzliche Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Natzweiler.
Ich danke Jean-Luc Schwab, Petit-Landau, Frankreich, für zusätzliche Informationen über das KZ Natzweiler. Ich danke dem Historiker Bernhard Strebel, Hannover, für zusätzliche Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Ravensbrück; Lothar Dönitz (Berlin, 2020).
Fußnoten:
1 Vgl. Black, Edwin: IBM und der Holcaust. Die Verstrickung des Weltkonzerns in die Verbrechen der Nazis; Ullstein-Taschenbuchverlag, 1. Auflage Oktober 2002, S. 9 ff.
Quellen:
Bundesarchiv, Berlin, Karteikarte für das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt in Berlin, erstellt Herbst 1944 bis Frühjahr 1945, Nr. 75645.