Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Georg Berthold



Häftlingsnummer 201
- KZ Ravensbrück | Männerlager
Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 25.04.1897
Geburtsort: ⟩ Klein Zimmern | Darmstadt
Ermordet am: 23.03.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Georg Berthold wurde am 25. April 1897 in Klein-Zimmern bei Darmstadt in Hessen geboren und katholisch getauft. Er blieb ledig, wohnte später in Landau in der Pfalz in der Martin-Lutherstraße 2 und war Koch von Beruf.

Das Landgericht Landau verurteilte ihn am 1. August 1939 nach §175 unter Anrechnung von 46 Tagen, 19 Stunden und 20 Minuten Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Er hatte acht Gefängnisstrafen als Vorstrafen.

Zur Strafverbüßung transportierte man ihn zunächst in das Gefängnis Diez und von dort am 19. Oktober 1939 zur Schwerstarbeit in das ⟩  Strafgefangenenlager Rodgau, Lager II, in Oberroden bei Darmstadt in Hessen.
Hier beschrieb man ihn wie folgt: 1,80 m groß, schlanke Gestalt, blaugraue Augen und dunkelblondes Haar, Brillenträger, spricht auch Französisch.

Am 26. Februar 1940 überführte man ihn in das Rodgau-Außenlager Schlitz in Nordhessen. Rein rechnerisch sollte er seine Strafe bis zum 16. Dezember 1940 verbüßen, doch der Justizvollzug dürfte ihn nun nicht mehr in die Freiheit entlassen, sondern der Polizei ausgeliefert haben.

Die Polizei transportierte ihn am 14. Februar 1941 in das ⟩  KZ Dachau bei München, wo ihn die SS als Homosexuellen einstufte und er die Häftlingsnummer 23.841 erhielt.

Bereits am 3. April überführte man ihn in das Männerlager des KZ Ravensbrück in Brandenburg, wo er drei Tage darauf eintraf und die Häftlingsnummer 201 erhielt. Offenbar erkrankte er und wurde arbeitsunfähig, weshalb man ihn vermutlich am 23. März 1942 im Rahmen der "Euthanasieaktion" "14f13" auswählte und ermordete. Ob der offizielle Todestag, der 25. Mai 1942 im KZ Ravensbrück, korrekt ist, ist zu bezweifeln. Georg Berthold wurde etwa 45 Jahre alt.
Autor: Rainer Hoffschildt (Hannover), Lothar Dönitz (Berlin, 2020)