Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Gregor Galla



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 12.03.1886
Geburtsort: Stallupönen | Ostpreußen
Ermordet am: 09.03.1940
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Gregor Galla wurde am 12. März 1886 in Stallupönen in Ostpreußen geboren und katholisch getauft.1 Der Ledige wohnte später in Berlin und war Kaufmann von Beruf. Er stieg zum Personalchef, Prokurist und dann auch zum Filialleiter der Deutsch-Südamerikanischen Bank in Madrid auf. In seiner Funktion als Personalchef und dann auch privat hatte sich ein Briefwechsel mit einem Bewerber ergeben, der 1937 unter dem dringenden Verdacht, gegen §175 verstoßen zu haben, verhaftet wurde. Bei einem Verhör durch die Gestapo Berlin bestritt Gregor Galla strafbare Handlungen und wurde wieder entlassen. Er war nun aber erfasst.

Im Oktober 1938 fragt die Gestapo Hildesheim bei allen Gestapoleit- und allen Gestapostellen nach Informationen über ihn, da er unter dem dringenden Verdacht stünde, homosexuellen Verkehr gehabt zu haben. Aus Berlin meldete man nach Hildesheim lediglich, dass er wegen eines Verdachts der Homosexualität in Erscheinung getreten sei. Die Gestapo erfuhr nun aber folgendes: "Bei den Mitarbeitern der Bank in Madrid und auch in Berlin steht Galla in dem Ruf, homosexuell veranlagt zu sein, in Madrid soll sich Galla in dieser Hinsicht weitgehend betätigt haben. Aus den Diensten der Bank ist Galla jetzt entlassen."

Ein Gericht in Sonderhausen in Thüringen verurteilte ihn am 16. Oktober 1938 nach §175 unter Anrechnung von sechs Wochen Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Er hatte homosexuelle Kontakte mit einem Arbeiter gehabt. Zur Strafverbüßung überführte man ihn in das Gefängnis Northeim, wo man ihn am 5. Mai 1939 aus der Haft nach Berlin entließ.

Nun bemühte er sich, seinen Pass zurück zu erhalten, weil er wieder nach Spanien wollte. Die Gestapo Berlin lehnt dies ab, weil sie die Gefahr sah, dass er "das Ansehen des Deutschtums im Auslande schädigen würde." Zu entscheiden hatte die Pass-Vergabe das Geheime Staatspolizeiamt (Gestapa) in Berlin. Das stufte ihn nun als "einen Jugendverführer schlimmster Sorte" ein und ordnete am 27. Juli 1939 seine KZ-Einweisung an.

Ab den 22. Juni 1939 befand er sich bereits in Polizeihaft und wurde nun am 10. August 1939 in das KZ Sachsenhausen bei Berlin transportiert, wo ihn die SS als §175-Häftling einstufte und er die Häftlingsnummer 1.254 erhielt. Gregor Galla verstarb am 9. März 1940 um 16:15 Uhr im Alter von 53 Jahren im Häftlingskrankenrevier des KZ Sachsenhausen angeblich an einer Lungenentzündung.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (Dezember 2017).Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
  Vera Kruber in: Andreas Pretzel, Gabriele Roßbach, Homosexuellenverfolgung in Berlin 1933-1945, Berlin 2000, S. 212-215.