Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Gustav Fritz Herzberg



Die Verlegung des Stolpersteins
findet am 26.02.2020 um 9:00 Uhr statt.

(Siehe Verlegeort!)
Geboren am: 26.09.1907
Geburtsort: ⟩ Breitenstein | Südharz
Ermordet am: 26.06.1942
Verlegeort: In Vorbereitung: ⟩ Berlin-Mitte, Kurstraße 32
Initiator: Xenia Trost
Zum Lebensweg: Gustav Fritz Herzberg wurde am 26. September 1907 in Breitenstein bei Sangerhausen im Südharz in Sachsen-Anhalt geboren und evangelisch getauft.

Er blieb ledig, war später nicht Mitglied einer politischen Organisation, wohnte in Berlin-Mitte, ⟩ Kreuzstraße 16 (diese Straße existiert nicht mehr, in etwa hinter dem heutigen Auswärtigen Amt, siehe geplanter Verlegeort). Als Beruf wurde im KZ Buchenwald »Diener« angegeben.

Seine Eltern wohnten in der Stadt ⟩  Harzgerode im Harz, unweit seines Geburtsortes.

Unter dem Verdacht, gegen §175 verstoßen zu haben, nahm man ihn auf Anweisung der Polizei Berlin vom 14. Juni 1941 in Polizeihaft im ⟩  Arbeitserziehungslager Berlin-Wuhlheide. Dieses befand sich in Berlin-Friedrichsfelde, in der heutigen Straße Am Tierpark. Hier mussten die Häftlinge Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten. Drei Monate blieb er hier. Er hatte keine Vorstrafe.

Am 12. Februar 1942 transportierte die Polizei ihn auf Anweisung der Kriminalpolizei Berlin aus Potsdam kommend in das KZ Buchenwald bei Weimar in Thüringen, wo die SS ihn als Homosexuellen einstufte, er im Block 46 untergebracht wurde und die Häftlingsnummer 6.708 erhielt. Außerdem teilte man ihn acht Tage darauf, wie viele andere Homosexuelle auch, der Strafkompanie zur Schwerstarbeit im berüchtigten Steinbruch zu.

Bereits am 13. März 1942 überführte man ihn gemeinsam mit den Mithäftling ⟩ Heinrich Bauer von Buchenwald in das Männerlager des KZ Ravensbrück.


Bild: 🔎 Lagerkartei aus dem KZ Buchenwald.1
Grund: »Steht im Verdacht sich nach § 175 vergangen zu haben.« sowie die Verlegung am 13.3.1942 nach ⟩  KZ Ravensbrück - Männerlager eingetragen.
Im Männerlager des KZ Ravensbrück erhielt er die Häftlingsnummer 1.329.
Am gleichen Tag sollen weitere 36 §175-Opfern und andere Häftlingen in das KZ Ravensbrück verlegt worden sein.

Gustav Herzberg wurde am 26. Juni 1942 im Alter von 34 Jahren im KZ Ravensbrück nach rund viereinhalb Monaten im KZ-System ermordet.

Seinen Leichnam äscherte man ein und die Urne wurde auf Bitten der Eltern auf einem Friedhof in Harzgerode beigesetzt.
Besonderen Dank gilt der Großnichte, Frau Xenia Trost. Sie setzt sich für die Erforschung des Schicksals ihres Großonkels ein. Weitere Familienangehörige werden befragt. Ein Stolperstein ist in Vorbereitung.

Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (September 2019), Lothar Dönitz, Berlin. Wir danken Wolfgang Röll aus der Gedenkstätte Buchenwald für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Buchenwald. Wir danken dem Historiker Bernhard Strebel, Hannover, für zusätzliche Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Ravensbrück.

Fußnoten:
1 Karteikarten ⟩  im Aroslen Archives International Center on Nazi Persecution (ehem. Internationaler Suchdienst Arolsen.) ©