Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Gustav Franz Strehlow



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 13.01.1894
Geburtsort: Kleinreetz | Rummelsburg, Pommern
Ermordet am: 05.12.1941
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Gustav Franz Strehlow wurde am 13. Januar 1894 in Kleinreetz bei Rummelsburg in Pommern, heute Polen, als Sohn eines Landwirts geboren.1 Der Ledige wohnte später in Berlin-Pankow in der Görschenstraße 14 und war von Beruf kaufmännischer Angestellter und Betriebsschreiber. Er bezeichnete sich als gottgläubig, gehörte also keiner der alt-etablierten Kirchen an.

Mindestens im Juli 1935 befand er sich unter dem Verdacht, homosexuelle Handlungen begangen zu haben, im  ⟩ KZ Lichtenburg-Prettin. Am 7. September 1935 verurteilte ihn ein Schöffengericht in Berlin wegen "widernatürlicher Unzucht" nach §175 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, die er bis zum 7. Juli 1936 verbüßte. Das Amtsgericht 632 in Berlin verurteilte ihn wegen "tätlicher Beleidigung" am 27. November 1936 zu sechs Monaten Gefängnis, die er bis zum 25. Juli 1938 verbüßte.

1939 onanierte er mit einem 16-jährigen Arbeitsburschen, einem Kollegen, der ihn dann im Betrieb anzeigte. Am 3. November 1939 verhörte ihn die Kriminalpolizei, die ihn als "gefährlichen Jugendverführer" einschätzte, und am Tag darauf nahm man ihn in Untersuchungshaft in Berlin-Lehrter Straße. In der Hauptverhandlung vom 23. Januar 1940 beantragte die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung nach §175a zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaushaft. Das Gericht verurteilte ihn aber nach §175 unter Anrechnung der Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Zur Strafverbüßung transportierte man ihn im Februar in die Haftanstalt Berlin-Plötzensee und im November 1940 in das Gefängnis Senftenberg in Brandenburg. In der Haft erkrankte er an Hautkrankheiten und war zeitweilig arbeitsunfähig. Ein Gnadenantrag blieb erfolglos. Nach voll verbüßter Strafe entließ der Justizvollzug ihn nicht in die Freiheit, sondern lieferte ihn am 23. Mai 1941 der Kriminalpolizei aus.

Etwa Anfang Juli 1941 transportierte die Polizei ihn in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo die SS ihn als §175-"Berufsverbrecher" einstufte und er die Häftlingsnummer 38.260 erhielt. Gustav Strehlow musste am 20. Oktober 1941 in das Häftlingskrankenrevier. Er verstarb am 5. Dezember 1941 im Alter von 47 Jahren im Krankenrevier im KZ Sachsenhausen angeblich an Herzversagen.2
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (Dezember 2017). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ich danke Andreas Sternweiler, Berlin, für Informationen. Ich danke Prof. Rüdiger Lautmann, Berlin, der im Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen forschte, für zusätzliche Informationen. Ich danke Andreas Pretzel, Berlin, für die Informationen aus dem Landesarchiv Berlin.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen. 2 Sterbezweitbuch, Standesamt Oranienburg, Nr. 1740/1941 (II), Bl. 542.