Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Karl Hermann Hess

Stolperstein Hermann Hess Geboren am: 21.12.1895
Geburtsort: Hamburg
Ermordet am: 17.02.1942
Verlegeort: ⟩ 20355 Hamburg-Neustadt, Kaiser-Wilhelm-Straße 67
Initiator: keine Angaben!
Zum Lebensweg: Karl Hermann Heß wurde am 21. Dezember 1895 in Hamburg geboren. Nach der Volksschule erlernte er einen kaufmännischen Beruf. Von 1915 bis 1918 setzte man ihn an der Ost- und dann an der Westfront ein. 1918 wurde er schwer verwundet, sodass er später zu 50% erwerbsbeschränkt war und eine kleine monatliche Rente bekam. Nach dem Krieg wurde er Zugabfertiger bei der Reichsbahn bis man ihn 1930 wegen einer Unterschlagung entließ. Danach war er bis 1934 arbeitslos und dann als Arbeiter tätig.

1932 verurteilte ihn ein Schöffengericht in Harburg-Wilhelmsburg nach §175 zu 3 Monaten Gefängnis und 1936 das Amtsgericht Hamburg nach §175 zu 9 Monaten Gefängnis. 1938 denunzierten ihn Nachbarn. Er hatte oft Sexualpartner, die er in den Homosexuellenlokalen "3 Sterne", "Monte Carlo", "Anker" und "Bunte Kuh" kennengelernt hatte, mit nach Hause genommen. Im September nahm man ihn im Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel in Haft und am 18. November 1938 verurteilte ihn das Amtsgericht Hamburg nach §175 zu drastischen 2 Jahren und 9 Monate Gefängnis. Unter dem Druck der Verhöre hatte er gestanden, dass er 1933 bis 1936 und dann wieder "von August 1937 bis September 1938 mit einer ganzen Reihe von Männern widernatürliche Unzucht getrieben" hatte. Namen seiner Partner nannte er nicht.

Am 26. November 1938 transportierte man ihn in das Strafgefängnis Wolfenbüttel. Dort beschrieb man den 42-Jährigen: 1,63 m groß, schwächliche Gestalt, rasiert, blaugraue Augen und volles dunkelblondes Haar. Zwei Monate vor seiner anstehenden Entlassung beschrieb man ihn in Wolfenbüttel für die "Staatliche Kriminalpolizei, Kriminalpolizeileitstelle in Hamburg" sehr ungünstig...

Dementsprechend entließ man ihn zum Strafende am 19. Juni 1941 in Wolfenbüttel nicht in die Freiheit, sondern nahm ihn für die Kriminalpolizei Hamburg in "Schutzhaft" und transportierte ihn in das Polizeigefängnis Hamburg-Hütten. Wenig später überführte die Kriminalpolizei Hamburg ihn in das KZ Sachsenhausen, wo er als "Berufsverbrecher" die Häftlingsnummer 39.329 erhielt und vermutlich wie die anderen Homosexuellen zur Schwerstarbeit in die Strafkompanie kam. Belegt ist, dass er am 16. Oktober 1941 in das Krankenrevier kam. Hermann Heß verstarb am 17. Februar 1942 im Alter von 46 Jahren im KZ Sachsenhausen. Die Todesursache ist nicht bekannt, sie dürfte aber in den Strapazen der jahrelangen Haft und Zwangsarbeit und der Unterversorgung im KZ zu finden sein.

2002 hob der Deutsche Bundestag pauschal alle NS-Urteile nach §175 auf. Rückblickend war er also zu Unrecht in Haft. Zu seinem Gedenken wurde in Hamburg-Neustadt an seinem letzten Wohnsitz in der Kaiser-Wilhelm-Straße 67 ein Stolperstein gesetzt.

Ausführlicher:
Wir erinnern an Karl Hermann Heß (pdf)
Foto: © „Hinnerk11/Wikipedia“ - Quelle: Rainer Hoffschildt, Hannover (April 2015)