Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Hermann Heinrich Küster

Stolperstein Hermann Küster Geboren am: 26.04.1892
Geburtsort: Hannover
Ermordet am: 26.04.1942
Verlegeort: ⟩ 20255 Hamburg-Eimsbüttel, Eidelstedter Weg 25
Initiator: Initiative "Gemeinsam gegen das Vergessen - Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer", Hamburg
Zum Lebensweg: Hermann Küster kam 1892 als Sohn des Arbeiters und späteren Feuerwehrmannes Eduard Küster und Magdalene, geb. Kummer, in Hannover zur Welt. Seine ersten neun Volksschuljahre verbrachte er in Hannover, danach zog die Familie nach Hamburg.
Zuletzt wohnte er bei seiner Schwester im Eidelstedter Weg 25 im zweiten Stock, früher Hausnummer 85,

... 1938 traf Theodor Gehring Hermann Küster zufällig in der Bismarckstraße wieder, wo er gegen Zahlung von 2 RM in einem Treppenhaus mit ihm onanierte. Nach seiner ersten Vernehmung im Stadthaus wurde Hermann Küster erneut ins das KZ Fuhlsbüttel eingesperrt. Die darauffolgenden zehn Tage wurde er zu mehreren Verhören jeweils in der Stadthausbrücke gebracht, wo er nach "eindringlichen Ermahnungen", die auch als Chiffren für die Anwendung körperlicher Misshandlungen zu deuten sind, vor dem Kriminaloberassistenten Voigt ein umfangreiches Geständnis ablegte. In der Folge wurde Hermann Küster im Dezember 1938 vor dem Schöffengericht zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Eindringlich empfahl man dem Angeklagten "vom Richtertisch in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft", sich "freiwillig entmannen" zu lassen. Einem solchen gravierenden gesundheitlichen Eingriff hatte er während seiner Haftzeit, die er bis zum 21. Oktober 1940 in Fuhlsbüttel verbüßte, nicht zugestimmt. Möglicherweise war das auch der Grund, warum er einen Tag später statt in Freiheit zu kommen der Polizei übergeben wurde. Jedenfalls muss davon ausgegangen werden, dass er nicht wieder in Freiheit gelangte, sondern wahrscheinlich nach einem Aufenthalt im Polizeigefängnis Hütten, für das es keine Überlieferung der Inhaftierten gibt, in das KZ Sachsenhausen überstellt wurde. Anhand der Häftlingsnummer 35060 ist nachgewiesen, dass er dort im Januar 1941 eingeliefert worden sein muss. Aus diesem Monat datiert auch der erste Nachweis im Lager als "B. V. 175" (nach § 175 verurteilter "Berufsverbrecher").

Hermann Küster wird in Sachsenhausen bald erkrankt sein, da er bereits am 19. Januar 1941 in den dortigen Krankenbau verlegt wurde. Weitere Einlieferungen datieren vom 10. März und 8. Mai. Sein letzter Aufenthalt dort dauerte bis zum 23. Juli. Doch schon am 12. August wurde er wieder eingeliefert und verblieb bis 1. Dezember 1941 im Krankenbau. Schließlich wurde sein Tod am 26. April 1942 um 8.50 Uhr im KZ Sachsenhausen mit der offiziellen Todesursache "Herzschwäche" nach einer "Bronchopneumonie" beim Standesamt Oranienburg beurkundet.
Sein Denunziant Theodor Gehring wurde am 9. Juli 1942 hingerichtet (s. Biographie Henry Heitmann).

Ausführlicher:
Wir erinnern an Hermann Küster (pdf)
Quelle: Stolpersteine in Hamburg