Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Herbert Laenger



Häftlingsnummer 1492
KZ Ravensbrück | Männerlager
Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 06.07.1909
Geburtsort: Lehe an der Weser | Bremerhaven
Ermordet am: 22.06.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Herbert Laenger wurde am 6. Juli 1909 in Lehe, heute Bremerhaven, als Sohn eines Zollsekretärs geboren und evangelisch getauft. Er blieb ledig, wohnte später in Bad Bentheim und war als Staatsangestellter tätig.

Im Februar 1936 lief gegen den 26-jährigen nicht Vorbestraften ein Verfahren wegen homosexueller Handlungen mit Jugendlichen und am 4. Mai 1936 verurteilte ihn das Landgericht Osnabrück wegen "widernatürlicher Unzucht", vermutlich nach §175a, Ziffer 3, zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus, abzüglich von zwei Monaten Untersuchungshaft, und zu drei Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.
Zur Strafverbüßung transportierte man ihn noch im Mai in das Zuchthaus Hameln. Dort entließ man ihn nach voll verbüßter Strafe im September 1937 aus der Haft. Der ehemalige Staatsangestellte zog aus seiner Heimat weg nach Berlin-Neukölln und arbeitete nun als Handelsvertreter.

Im Januar 1940 inhaftierte die Polizei ihn im Polizeigefängnis Berlin und bald darauf kam er in Untersuchungshaft. Am 22. Mai 1940 verurteilte ihn das Landgericht 9 in Berlin nach §175 zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnishaft, die er im Gefängnis Plötzensee und im Gefängnis Landsberg an der Warthe verbüßte.
Ein Gnadengesuch seines Vaters wurde von der Staatsanwaltschaft Berlin abgelehnt. Am 22. Juli 1941 entließ der Justizvollzug ihn in Landsberg nicht mehr in die Freiheit, sondern die Polizei transportierte ihn nach Berlin.

Am 4. September 1941 überführte die Polizei ihn auf Befehl der Kriminalpolizei Berlin in das ⟩  KZ Buchenwald wo er die Häftlingsnummer 3.170 erhielt und in Block 30 untergebracht wurde.
Fragebogen


Bild: 🔎 KZ Buchenwald - Häftl. Pers. Bogen; Häftl.Art: Homos;
Letzte Wohnung: ⟩  Berlin-Neukölln, Bergstraße 9 (heutige Karl-Marx-Straße).
Wie fast alle Homosexuellen im KZ Buchenwald, wurde auch er in die Strafkompanie verlegt, in der die Häftlinge mit besonders schwerer Arbeit belastet wurden.

Von Buchenwald überführte man ihn am 13. März 1942 mit wohl 36 weiteren §175-Opfern in das Männerlager des KZ Ravensbrück, wo er die Häftlingsnummer 1.492 erhielt.

Autor: Rainer Hoffschildt (Hannover). Ich danke Wolfgang Röll aus der Gedenkstätte Buchenwald für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Buchenwald. Ich danke dem Historiker Bernhard Strebel, Hannover, für zusätzliche Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Ravensbrück; Lothar Dönitz (Berlin, 2020).
Quellen:
Karteikarten im ⟩  Aroslen Archives International Center on Nazi Persecution (ehem. Internationaler Suchdienst Arolsen.)