Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Paul Heimann



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 14.02.1892
Geburtsort: Mülheim | Ruhr
Ermordet am: 21.10.1939
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Paul Saul Heimann wurde am 14. Februar 1892 in Mülheim an der Ruhr im Ruhrgebiet geboren.1 Er war jüdischer Herkunft, homosexuell und wohnte auch später in Mülheim. Ihn traf ein dreifaches Stigma: Jude, Homosexueller und Arbeitsloser.

Im Juni 1938 transportierte man ihn offenbar im Rahmen der "Aktion Arbeitsscheu Reich", also als "Asozialen", in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo er die Häftlingsnummer 5.052 erhielt. Er wurde aber als Rosa Winkel-Häftling im Block 16 untergebracht. Mehrfach wurde er vom SS-Hauptscharführer⟩  Gustav Hermann Sorge2 letztlich bis zum Tod misshandelt.

Im Prozess vor dem Landgericht Bonn im Jahr 1959 gegen Sorge gab ein Zeuge Ros. […] folgendes zu Protokoll:
Er "musste mehrfach mit ansehen, dass Heimann während der Appelle von dem Angeklagten Sorge misshandelt wurde. Am 21.10.1939 schlug der Angeklagte während des Appells wieder mit Fäusten auf den ohnehin sehr geschwächten Heimann ein, bis dieser zusammenbrach. Als er auf dem Boden lag, trat Sorge mit voller Wucht mit seinen Stiefeln auf den Körper des Heimann herum, bis dieser sich nicht mehr bewegte. Zwei Mithäftlinge mussten Heimann wegtragen. Am nächsten Morgen erfuhr der Zeuge Ros., dass Heimann gestorben war. Auf Grund der Sterbeurkunde steht fest, dass Paul Heimann im Alter von 47 Jahren am 21. Oktober 1939 ‚an TBC' starb."
Dies ist auch ein Beleg für eine gefälschte Todesursache. Sorge wurde wegen dieses Mordes aus "niedrigen Beweggründen" und zahlreicher anderer Morde zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht war zu folgender Überzeugung gelangt:
"Die besondere Hartnäckigkeit des Angeklagten Sorge bei der Misshandlung des Juden Heimann spricht dafür, dass er die Tötung des Häftlings beabsichtigte. Jedenfalls steht nach Überzeugung des Schwurgerichts fest, dass der Angeklagte mit der Möglichkeit der Tötung Heimanns durch seine Misshandlung gerechnet und diesen Erfolg auch gewollt und gebilligt hat."
Im Prozess vor dem Schwurgericht in Bonn vom 13. Oktober 1958 bis zum 6. Februar 1959 wurde ihm der persönlich ausgeführte Mord an 67 Häftlingen vorgeworfen. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, Sorge verstarb 1978 in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach bei Bonn.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover.
Ich danke Niko Ewers, Bielefeld, für die Zitate aus: Justiz und NS-Verbrechen, Band, XV, Nr. 473, S. 99 (Brief von Ewers vom 20. April 2002, S. 1).
Fussnoten:
1  KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
   Gedenkbuch Paul Heimann in der Zentralen Datenbank von ⟩  Yad Vashem ¦ Shoah Opfernamen
2 SS-Hauptscharführer Gustav Sorge (1911-1978) war Rapportführer im KZ Sachsenhausen. Der "Eiserne Gustav" war als einer schlimmsten Sadisten im Lager berüchtigt. Siehe auch in:
  • Unterschied zwischen SS-Ehrenwache und „Junkertum“ auf der NS-Ordensburg Vogelsang – Der Massenmörder Gustav Sorge von Hans-Dieter Arntz
  • Tätertypen Biografien von Angehörigen des Kommandanturstabs im KZ Sachsenhausen - Neues Deutschland 27.12.2011