Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Paul Ernst Mebes



Kein Stolperstein vorhanden, hier nur der Leidensweg.
Geboren am: 10.09.1902
Geburtsort: Berlin
Ermordet am: 10.07.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Paul Ernst Mebes wurde am 10. September 1902 in Berlin geboren und evangelisch getauft.1 Der Ledige wohnte auch später in Berlin-Moabit, Stromstraße 8 und war von Beruf Bürobote.

Vom 19. bis zum 21. Oktober 1938 befand er sich im Polizeigefängnis Berlin und danach vermutlich in Untersuchungshaft. Ein Gericht in Berlin verurteilte den 36-Jährigen am 12. Juni 1939 wegen homosexueller Handlungen nach §175 zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren. Zur Strafverbüßung transportierte man ihn zunächst im Juli 1939 in die Strafanstalt Berlin-Plötzensee, dann vorübergehend in die Strafanstalt Prenzlau und schließlich Ende November 1940 in die Strafanstalt Beeskow in Brandenburg, von wo er am 16. Februar 1941 nach Plötzensee zurückkam. Dort entließ der Justizvollzug ihn angeblich am 19. Oktober 1941 aus der Haft an eine Privatanschrift.

Letzteres ist aber eher unwahrscheinlich, denn noch im gleichen Jahr transportierte ihn die Polizei in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo die SS ihn als Homosexuellen und "Berufsverbrecher" einstufte und er die Häftlingsnummer 40.818 erhielt. Der Zeitpunkt seines Zugangs im KZ Sachsenhausen war denkbar ungünstig. Im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen wurden zwischen Juli und September 1942 gezielt etwa 180 bis 200 homosexuelle Häftlinge umgebracht.2 Paul Mebes wurde am 10. Juli 1942 um 8.15 Uhr im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen von der SS ermordet. Auf einem angeblichen Fluchtversuch erlitt er einen Lungendurchschuss. Er wurde 39 Jahre alt.
Autor: Rainer Hoffschildt (Hannover). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ich danke Andreas Sternweiler, Berlin, für Informationen. Ich danke Andreas Pretzel, Berlin, für die Informationen aus dem Landesarchiv Berlin.
Fußnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
   Sterbezweitbuch Standesamt Oranienburg, Nr. 1933/1942 (VI), Bl. 53
2 Vgl. Müller, Joachim, Unnatürliche Todesfälle, in: Müller, Joachim, Sternweiler, Andreas, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 216-263.
   Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.