Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Rudolf Hermann Karl Schüler



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 31.07.1903
Geburtsort: Berlin
Ermordet am: 10.11.1940
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Rudolf Hermann Karl Schüler wurde am 31. Juli 1903 in Berlin geboren und evangelisch getauft.1 Seine Jugend verlebte er bei den Eltern in Berlin-Mahlsdorf, zur Volksschule ging er in Berlin-Neukölln. Nach dem Schulabschluss arbeitete er zunächst als Bote und absolvierte dann eine dreijährige Ausbildung zum Verkäufer. Danach arbeitete er aber wieder als Bote und ab 1937 als Arbeiter bei der Reichsbahn im Reichsbahnausbesserungswerk in Berlin-Tempelhof, wo der Ledige einen Wochenlohn von 33,- Reichsmark erhielt. Als letzte Anschrift gab er die an, an der auch sein Vater wohnte, Berlin-Mahlsdorf, Straußstraße 16.

Am 6. Februar 1939 nahm ihn die Gestapo Berlin fest und vernahm ihn. Er war in den Strudel um das Ermittlungsverfahren gegen den 1881 geboren Nachtwächter Karl Schultz geraten, der zuletzt ihn und drei andere Männer im Gestapoverhör als Partner homosexueller Handlungen eingestanden hatte. Schüler bezeichnete sich im Verhör als bisexuell veranlagt. Ab 1926 habe er auch gelegentlich flüchtige homosexuelle Kontakte meist mit unbekannten Männern gehabt. Es seinen Zufallsbekanntschaften gewesen und die Namen der Männer könne er nicht angeben. Schultz habe er etwa 1929 bei seinen Eltern in Mahlsdorf kennengelernt und ab etwa 1930 kam es mit ihm in längeren oder kürzeren Abständen in dessen Wohnung zum einvernehmlichen homosexuellen Verkehr bis zuletzt im Januar 1938. Es war also eine lange auch sexuell ausgelebte Freundschaft, die von Gerichten für gewöhnlich als ein einziges, aber "fortgesetztes", Vergehen gegen §175 gewertet wurde. Vielleich konnte man bei ihm aber noch weitere, bislang unbekannte Partner, ermitteln. Das Landgericht in Berlin verurteilte Schüler am 15. April 1939 wegen "widernatürlicher Unzucht" nach §175 unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Er war nicht vorbestraft. Auch Schultz verurteile ein Gericht in Berlin zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Zur Strafverbüßung transportierte man Schüler aus der Haftanstalt Berlin-Tegel zur Schwerstarbeit am 16. August 1939 in das Strafgefangenenlager Rodgau, Lager II, in Oberroden bei Darmstadt in Hessen. Dort beschrieb man ihn wie folgt: 1,72 m groß, kräftige Gestalt, rasiert, braune Augen und dunkles Haar. Auf seiner Karteikarte vermerkte man zum Ende seiner Strafverbüßung am 15. August 1940 "entlassen". Tatsächlich dürfte er zwar aus dem Bereich der Justiz "entlassen" worden sein, aber nicht in die Freiheit, sondern der Polizei ausgeliefert worden sein.

Die Polizei transportierte ihn etwa im September 1940 in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo er die Häftlingsnummer 33.993 erhielt. Rudolf Schüler verstarb am 10. November 1940 im Alter von 37 Jahren im KZ Sachsenhausen. Als Todesursache wurde "Chronische Herz- und Kreislaufschwäche, Grundleiden: Akute Herzschwäche" angegeben.2
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (April 2018). Ich danke Andreas Pretzel, Berlin, für die Informationen aus dem Landesarchiv Berlin.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
   Karteikarte im Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Bestand G 30 Rodgau, Rodgau-Karteikarten.
   Landesarchiv Berlin A Rep. 358-02, Nr. 62604, Akte Karl Schultz.
2 Sterbezweitbuch, Standesamt Oranienburg, Nr. 3920/1940, Bl. 247