Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Walter Bruno Bratz



Häftlingsnummer 1102
- KZ Ravenbrück | Männerlager
Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 06.06.1913
Geburtsort: Wittenau | seit 1920 Berlin-Wittenau
Ermordet am: 23.06.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Walter Bruno Bratz wurde am 6. Juni 1913 in Wittenau (seit 1920 zu Berlin) geboren. Er blieb ledig, wohnte später in der ⟩  Müllerstraße Nr. 36 in Berlin-Wedding und war Bauarbeiter von Beruf und glaubenslos.

Am 7. Dezember 1937 inhaftierte man ihn im Polizeigefängnis Berlin und bald darauf dürfte er in Untersuchungshaft genommen worden sein. Das Landgericht 8 in Berlin verurteilte ihn am 5. März 1938 wegen Strichjungentätigkeit nach §175a, Ziffer 4, unter Anrechnung von 81 Tagen und 15 Stunden der Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Zur Strafverbüßung überführte man ihn zunächst am 29. März 1938 in das Gefängnis Berlin-Tegel, dann am 9. September 1938 in das Gefängnis Zweibrücken in der Pfalz und von dort zur Schwerstarbeit am 29. September 1938 in das Strafgefangenenlager Rodgau, Lager II, in Oberroden bei Darmstadt in Hessen. Hier beschrieb man ihn wie folgt: 1,70 m groß, schlanke Gestalt, rasiert, graue Augen und dunkelblondes Haar. Nach voll verbüßter Strafe entließ man ihn am 7. Dezember 1938 aus der Haft.

Am 4. Juni 1939 inhaftierte die Polizei ihn erneut im Polizeigefängnis Berlin. Das Amtsgericht, Abteilung 603, in Berlin verurteilte ihn am 29. Juli 1939 wiederum wegen Strichjungentätigkeit nach §175a, Ziffer 4, unter teilweiser Anrechnung der Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Zur Strafverbüßung überführte man ihn am 29. August 1939 zunächst in das Gefängnis Berlin-Plötzensee und dann am 25. September 1939 in das Gefängnis Landsberg an der Warthe. Angeblich entließ man ihn dort am 18. März 1941 aus der Haft an eine Privatanschrift. Wenig später befand er sich im Gefängnis am Alexanderplatz in Berlin und die Kriminalpolizei Berlin ordnete am 8. April 1941 seine "Schutzhaft" an. Die Polizei transportierte ihn am 29. Mai 1941 in das KZ Buchenwald bei Weimar in Thüringen, wo die SS ihn als "Berufsverbrecher" einstufte und er die Häftlingsnummer 4.600 erhielt.
Karteikarte


Bild: 🔎 Effektenkarte KZ Buchenwald; BV-Häftling;1
Eingel. am: 29.05.1941 von Kripo Berlin - Entl. am: 14.03.1942 nach KL Ravensbrück
Vom 3. Juni bis zum 14. Juli 1941 musste er zunächst Schwerstarbeit im Steinbruch Leisten und ab den 8. September 1941 setzte man ihn im Außenlager Berlstedt bei Weimar in der Ziegelei ein.

Am 13. März 1942 überführte man ihn in das Männerlager des KZ Ravensbrück, wo die SS ihn als "Berufsverbrecher" einstufte und er die Häftlingsnummer 1.102 erhielt.

Walter Bratz wurde am 23. Juni 1942 im Alter von 29 Jahren im KZ Ravensbrück ermordet.
Autor: Rainer Hoffschildt (Hannover), Lothar Dönitz (Berlin, 2020)
Quellen:
1 Karteikarten im ⟩  Aroslen Archives International Center on Nazi Persecution (ehem. Internationaler Suchdienst Arolsen.)