Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Wilhelm Eigner



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 23.07.1893
Geburtsort: Mingstmehlen | Ostpreußen
Ermordet am: 02.07.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Wilhelm Eigner wurde am 23. Juli 1893 in Mingstmehlen in Ostpreußen geboren und evangelisch getauft.1 Der Ledige wohnte später in der Siedlung Lindenberg im Kreis Niederbarnim bei Berlin und war von Beruf Schneider.

Vom 17. Januar bis zum 16. März 1940 befand er sich in langer "Schutzhaft" der Polizei und danach in Untersuchungshaft in Berlin, Lehrter Straße. Das Landgericht 9 in Berlin verurteilte ihn am 22. Mai 1940 wegen "widernatürlicher Unzucht" nach §175a, Ziffer 3, und §175 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für drei Jahre. Die Untersuchungshaft wurde nicht auf die Strafhaft angerechnet, woraus folgt, dass hartnäckig eine Straftat geleugnet hatte. Die Strafe verbüßte er in der Haftanstalt Berlin-Tegel. Nach voll verbüßter Strafe entließ der Justizvollzug ihn angeblich am 22. November 1941.

Tatsächlich könnte er aber auch der Polizei ausgeliefert worden sein. Die Polizei transportierte ihn im Frühjahr 1942 in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo die SS ihn als Homosexuellen einstufte und er die Häftlingsnummer 41.965 erhielt. Der Zeitpunkt seines Zugangs im KZ Sachsenhausen war denkbar ungünstig. Im Außenlager Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen wurden zwischen Juli und September 1942 gezielt etwa 180 bis 200 homosexuelle Häftlinge umgebracht.2

Wilhelm Eigner wurde am 2. Juli 1942 im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen von der SS ermordet. Er wurde 48 Jahre alt. Als offizielle Todesursache gab man aber Herz- und Kreislaufschwäche an.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (Dezember 2017). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen.
Ich danke Andreas Pretzel, Berlin, für die Informationen aus dem Landesarchiv Berlin.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
2 Joachim Müller in: Joachim Müller, Andreas Sternweiler, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 216 ff.
   Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.