Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Werner Siegried Alexander Gluszewski



Häftlingsnummer 42366
KZ Sachsenhausen
Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 20.01.1904
Geburtsort: Marienburg | Westpreußen
Ermordet am: 26.06.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Werner Siegried Alexander Gluszewski wurde am 20. Januar 1904 in Marienburg in Westpreußen geboren und evangelisch getauft. Der Ledige wohnte später in ⟩  Berlin-Spandau, Pfälzische Straße 21 und arbeitete als Schriftsteller, Bauarbeiter und Vertreter.

Am 17. August 1937 zeigte man ihn an und am 26. Oktober 1937 nahm die Polizei ihn fest und behandelte ihn erkennungsdienstlich, ließ also auch die üblichen Polizeifotos erstellen.
Polizeifoto Werner Gluszweski

Bild: 🔎 Polizeifoto Werner Gluszweski.
Die Anklageschrift erstellte die Staatsanwaltschaft am 28. Oktober 1937 und am 6. Januar 1938 verurteilte ihn ein Gericht in Berlin nach §175a, Ziffer 3, zu einem Jahr und sieben Monaten Gefängnis, abzüglich von zwei Monaten Untersuchungshaft. Zur Strafverbüßung transportierte man ihn am 3. März 1938 zunächst nach Berlin-Plötzensee und dann von dort zur Schwerstarbeit im Moor am 23. Mai 1938 in das Strafgefangenenlager Walchum. Weiter ging es am 6. September 1938 in die Haftanstalt Zweibrücken und am 27. September 1938 zurück nach Walchum und am 12. Oktober 1938 schließlich in das Emslandlager Groß-Fullen. Am 6. Juni 1939 entließ man ihn aus der Haft.

Doch bereits vom 31. Juli bis zum 2. August befand er sich erneut im Polizeigefängnis Berlin. Am 29. August 1939 nahm die Polizei ihn fest und am 31. August 1939 stellte ein Richter den Haftbefehl aus und seine Untersuchungshaft in Berlin-Plötzensee begann. Am 29. November verurteilte ein Gericht in Berlin ihn wiederum nach §175a, Ziffer 3, diesmal aber als "Rückfalltäter" zu zwei Jahren Zuchthaus, abzüglich der Untersuchungshaft, und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.

Zur Strafverbüßung überführte man ihn in das Zuchthaus Brandenburg-Görden. Im Oktober 1939 verlegte man ihn vorübergehend in das Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel, möglicherweise, weil er in Hamburg als Zeuge aussagen sollte. Zum Ende seiner Strafverbüßung entließ der Justizvollzug ihn nicht in die Freiheit, sondern lieferte ihn der Polizei aus, die ihn am 29. November 1941 in das Polizeigefängnis Berlin einlieferte.

Die Polizei transportierte ihn am 12. Februar 1942 in das KZ Buchenwald in Thüringen, wo die SS ihn als §175-Häftling einstufte und ihn zur Nummer 6.685 machte.
Karteikarte


Bild: 🔎 Effektenkarte KZ Buchenwald; Haftgrund § 175; Anschrift der Mutter.
Bereits am 14. März 1942 ging es weiter in das Männerlager des KZ Ravensbrück, wo er die Häftlingsnummer 1.247 erhielt.

Am 21. Mai 1942 wurde er in das KZ Sachsenhausen verlegt, hier erhielt er die Häftlingsnummer 42.366.
Der Zeitpunkt seines Zugangs im KZ Sachsenhausen war denkbar ungünstig. Im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen wurden zwischen Juli und September 1942 in einer Mordaktion gezielt etwa 180 bis 200 homosexuelle Häftlinge umgebracht. Werner Gluszewski wurde am 26. Juni 1942 im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen ermordet. Er wurde 38 Jahre alt.
Autor:
Rainer Hoffschildt (Hannover); Lothar Dönitz (Berlin, 2020).
Quellen:
• Müller, Joachim, Unnatürliche Todesfälle, in: Müller, Joachim, Sternweiler, Andreas, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 47, 216ff.
• Karteikarten im ⟩  Aroslen Archives International Center on Nazi Persecution (ehem. Internationaler Suchdienst Arolsen.)