Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Willy Hadroszeck o. Hadrosseck1

Leider kein Bild vorhanden!
- Bei der Recherche nach diesen Stolperstein erfuhr ich vom Kreuzberg Museum: "... dass dieser Stolperstein schon im April 2007 nicht aufzufinden war. Das ist eine Schade und nach so einer langen Zeit ist auch kaum noch nachzuvollziehen, wann genau und wie er verschwunden ist (vermutlich Straßenbauarbeiten?)." Und dieser Stolperstein ist bis Dezember 2017 noch immer nicht ersetzt!
Geboren am: 21.02.1894
Geburtsort: Berlin
Ermordet am: 04.07.1942
Verlegeort: ⟩ 109605 Berlin-Kreuzberg, Arndtstraße 25
Initiator: Keine Angaben!
Zum Lebensweg: Willy Hadroszek kam am 21. Februar 1894 als uneheliches Kind der Arbeiterin Wilhelmine Hadroszek in Berlin-Kreuzberg zur Welt. Ein Jahr später brachte die Mutter in Berlin-Rixdorf mit der Tochter Elisabeth Margarete ein weiteres Kind unehelich zur Welt, das jedoch bei der Heirat mit Herrn Robert Reich im Jahr 1896 von diesem anerkannt wurde. Ein weiteres eheliches Kind, Franz, starb kurz nach der Geburt im Jahr 1897.

Im Jahr 1920 heiratete Willy Hadroszek die bereits verwitwete Stickerin Marie Altmann, geborene Wolinski. Die Heirat wurde im Kreuzberger Standesamt IVa beurkundet, Willy Hadroszek wohnte zu diesem Zeitpunkt in der damals zu Lichtenberg gehörenden Revaler Straße. Ein Jahr zuvor hatte seine Schwester Elisabeth Margarete den Hilfsarbeiter Kurt Böse geheiratet, sie starb sieben Jahre später in der ehelichen Wohnung in der Kreuzberger Fürbringerstraße.

Willy Hadroszek hatte inzwischen eine Tätigkeit als Justizangestellter aufgenommen und wohnte bis 1935 in der Bautzener Straße in Schöneberg, direkt an der Bezirksgrenze zu Kreuzberg. Am 17. Dezember 1937 wurde seine Ehe durch das Berliner Landgericht geschieden. Nur wenige Tage nach der Scheidung heiratete er Frieda Büttner.

Wahrscheinlich wollte er mit diesem Vorgehen seine eigentliche Neigung verbergen, denn er wurde später wegen Verstoßes gegen den § 175 des Strafgesetzbuches verurteilt, der sexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte. Unter den Nationalsozialisten wurde dieser unwürdige Paragraph noch einmal verschärft; unter anderem wurde die Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis angehoben. Diese Verschärfung führte zu einer Verzehnfachung der jährlichen Verurteilungen auf 8.000 zwischen 1937 und 1938. Hinzu kam, dass die Gestapo nach Freisprüchen oder nach Ableistung der Haftstrafen jederzeit Schutzhaft anordnen konnte.

Polizeifoto von Willy Hadroszek

Polizeifoto von Willy Hadroszek2

Willy Hadroszek wurde zum Opfer. Er wurde mit der Häftlingsnummer 43.093 in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingewiesen und dort am 4. Juli 1942 während der Mordaktion an Homosexuelle im AL Klinkerwerk3 ermordet.

Seine letzte Adresse in Berlin war von 1939 bis 1942 die Arndtstraße 25 in Kreuzberg, wo er als Versicherungsbeamter gemeldet war. Bereits im Jahr 1938 war seine Mutter im Alter von 73 Jahren verstorben. Die zweite Ehefrau von Willy Hadroszek überlebte den Krieg und lebte noch bis in die 1980 Jahre in der Kreuzberger Blücherstraße, bevor sie 1982 verstarb.
Fußnoten:
1 In den Unterlagen der KZ-Kommandantur wird der Name des Versicherungsangestellten teilweise auch Hadroszeck geschrieben.
2 In: Müller, Joachim, Sternweiler, Andreas, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 47.
3 a. a. O. S. 216 ff.
   Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.
   Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.

Weitere Quelle:
   Stolpersteine in Berlin