Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & Ravenbrück - Männerlager

Waldemar Henningsen

Stolperstein Waldemar Henningsen Geboren am: 25.02.1890
Geburtsort: Kiel
Ermordet am: 19.11.1942
Verlegeort:  24103 Kiel, Möllingstraße 26
Initiator: Für Waldemar Henningsen recherchierten SchülerInnen der 10. Klasse (Eg) der Humboldt-Schule Kiel.
Zum Lebensweg: Waldemar Henningsen, wuchs als jüngstes von elf Kindern bei seinen Eltern auf. Sein Vater Hans Peter Christopher Henningsen war von Beruf Schiffszimmermann, er verstarb 1926. Seine Mutter Maria Friederike (geb. Boyens) starb 1934. Nach seiner Schulzeit absolvierte Waldemar Henningsen eine dreijährige Fotografenlehre.

1912 wurde er Soldat und nahm von 1914 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg betrieb er ein Geschäft für Fotografie. Er blieb ledig und lebte mit seiner verwitweten Schwester Louise Drepper zusammen.

Am 18.6.1938 wurde Henningsen wegen "Unzucht zwischen Männern" verhaftet und zu sechs Monaten Haft verurteilt. Grundlage war der seit 1935 verschärfte § 175 des Strafgesetzbuches. Vom 18.6. bis zum 8.8.1938 befand er sich in Untersuchungshaft im Polizeigefängnis Kiel, anschließend verbüßte er seine Strafe im Gerichtsgefängnis. Wegen guter Führung wurde seine Strafe um zwei Monate verkürzt und er wurde am 19.10.1938 entlassen.

Am 6.3.1941 wurde er erneut wegen "Unzucht zwischen Männern" verhaftet und diesmal zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt. Vor der für den 6.6.1942 vorgesehenen Entlassung gab es einen Schriftwechsel zwischen der Kriminalpolizeidienststelle und dem Leiter des Gerichtsgefängnisses darüber, ob für Henningsen die "polizeiliche Vorbeugehaft" "gerechtfertigt erscheint", die die Deportation in ein Konzentrationslager zur Folge gehabt hätte. Der Leiter bescheinigte Henningsen dessen gute Führung und empfahl deshalb "nur" eine unauffällige Beobachtung durch die Kriminalpolizei. Dennoch verlängerte die Kriminalpolizeidienststelle Henningsens Haft um zwei Monate und ordnete gegen ihn als angeblich "Gemeingefährlichen" eine anschließende "Vorbeugehaft" an.
Dies hatte die Deportation in das Konzentrationslager Sachsenhausen zur Folge, in dem Henningsen am 18.10.1942 unter der Häftlingskategorie "Berufsverbrecher" ankam. Henningsens Inhaftierung in Sachsenhausen dauerte nur bis zum 19.11.1942. An diesem Tag wurde er im Großziegelwerk (Klinkerwerk) ermordet. Laut offizieller Angabe war die Todesursache eine "doppelseitige Lungenentzündung".

Ausführlicher:
Fleyer »Stolpersteine in Kiel« Waldemar Henningsen (pdf) - HerausgeberIn: Landeshauptstadt Kiel


Quellen:
  • Totenbuch KZ-Sachsenhausen 1936-1945
  • Landesarchiv Schleswig-Holstein (LAS) Gefangenenpersonalakten Abt. 357.2 Nr. 6812 und 12241
  • Günter Grau: Homosexualität in der NS-Zeit. Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung, Frankfurt/M. 2004
  • Manuela R. Hrdlicka: Alltag im KZ. Das Lager Sachsenhausen bei Berlin, Opladen 1991
  • Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006
  • dies.: Bd. 9: Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager, München 2009 (Hg.): Der Ort des Terrors Bd.9.:Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager, München 2009
Bild: Kevin Damske (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60039908")