Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

<Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen

Waldemar Berthold Taukert



Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 03.03.1879
Geburtsort: Heilsberg | Königsberg
Ermordet am: 16.01.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Waldemar Berthold Taukert wurde am 3. März 1879 in Heilsberg bei Königsberg in Ostpreußen geboren.1 Von 1916 bis 1918 diente er im Ersten Weltkrieg in der Infanterie und war danach Landarbeiter. Der Ledige war Mitte der 1920er Jahre nach Berlin C 2 gezogen und war dort zeitweilig als Handlungsgehilfe und Toilettenpächter, also Toilettenwärter, tätig, aber auch oft länger arbeitslos. Aufgrund einer Lähmung des rechten Beins war er später Invalide.

Am 2. September 1936 inhaftierte man ihn im Polizeigefängnis Berlin wegen des "Verdachts homosexueller Umtriebe".2 Der aus der geschlossenen Landeserziehungsanstalt der Stadt Berlin ⟩  Struveshof geflohene jugendliche Fürsorgezögling und Strichjunge Heinz M. hatte ihn unter dem Druck der Verhöre als seinen Freier verraten.

Das Landgericht 2 in Berlin verurteilte Taukert am 16. Februar 1937 nach §175 unter Anrechnung der Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Die Strafe verbüßte er im Gefängnis Berlin Tegel aus dem man ihn am 2. September 1937 wieder entließ.

Vom 6. bis zum 13. Dezember 1940 befand er sich erneut im Polizeigefängnis Berlin und danach in Untersuchungshaft in Berlin-Plötzensee. Wieder hatte ihn ein aus dem Struveshof entlaufener jugendlicher Strichjunge, mit dem er mehrfach sexuellen Kontakt hatte, verraten. Nach langem Leugnen und einer Gegenüberstellung gestand er dies schließlich ein. Das Landgericht 8 in Berlin verurteilte ihn am 3. April 1941 nach §175 unter Anrechnung der Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Den Mitangeklagten Bruno Wegener verurteilt das Gericht zu einer hohen Zuchthausstrafe; er verstarb 1944 im KZ Mittelbau-Dora.

Am 6. Juni entließ der Justizvollzug Taukert nach voll verbüßter Strafe nicht mehr in die Freiheit, sondern lieferte ihn der Polizei aus, die ihn für einen "unverbesserlichen Wiederholungstäter" hielt. Wahrscheinlich noch im Juni transportiert ihn die Polizei in das KZ Sachsenhausen, wo ihn die SS als §175-"Berufsverbrecher" einstufte und er die Häftlingsnummer 38.301 erhielt.

Am 4. September 1941 musste er dort in das Häftlingskrankenrevier. Waldemar Taukert verstarb am 16. Januar 1942 im Alter von 62 Jahren im KZ Sachsenhausen. Seine Urne setzte man auf dem ⟩  Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde bei.
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover (Dezember 2017). Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ich danke Andreas Pretzel, Berlin, für die Informationen aus dem Landesarchiv Berlin.
Fussnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
   Karteikarten im Hauptregister des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen.
2 Susanne zur Nieden, Der Handlungsgehilfe Waldemar Bertold Taukert, in: Joachim Müller, Andreas Sternweiler, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 270 ff